Sinn fürs Geschäft

Soziale, ökologische & demokratische Unternehmen in Leipzig

Soziale, ökologische und demokratische Unternehmen (SÖDU) zeigen mit viel Eigeninitiative, wie eine andere Wirtschaft im Kleinen aussehen kann. Sie geben einer sozial-ökologischen und demokratischen Wirtschaft ein Gesicht – und immer auch eine kleine Geschichte. Gleichzeitig sind sie Elemente einer gesellschaftlichen Strömung. Denn für eine sozial-ökologische Transformation spielen SÖDU eine bedeutende Rolle, als Ideengeber*innen und Pionier*innen einer neuen Wirtschaftsweise.

16 Pionier-Unternehmen in Leipzig

Mit dem Projekt Sinn fürs Geschäft haben wir uns beim Konzeptwerk Neue Ökonomie mit diesen Pionier*innen einer sozial-ökologischen und demokratischen Wirtschaft befasst. Angepasst an unsere Kapazitäten hatte das Projekt von Beginn an einen lokalen Fokus auf den Raum Leipzig. Wir haben 16 Leipziger Unternehmen interviewt und dazu 9 Personen aus der Kommunalpolitik und der Stadtverwaltung. Es ging zum einen um eine Bestandsaufnahme – welche Formen alternativen Wirtschaftens gibt es in Leipzig? Zum anderen um die Frage, wie Unternehmen im Raum Leipzig gefördert werden können, die Werte wie Demokratie, Umweltschutz und soziale Gerechtigkeit in den Mittelpunkt ihrer wirtschaftlichen Aktivitäten stellen. Unter anderem  haben wir dazu das Forum Sinn fürs Geschäft organisiert und Entscheidungsträger*innen und Unternehmer*innen zum Austausch eingeladen.

In Leipzig gibt es eine Menge Unternehmen, die anders wirtschaften wollen. In unseren Inverviews mit diesen Unternehmen haben wir nicht nur darauf geachtet, dass diese Unternehmen unseren Kriterien tendenziell entsprechen sondern auch, dass wir möglichst viele Branchen abdecken.

 

Mit dem Projekt Sinn fürs Geschäft haben wir drei Ziele verfolgt. Wir wollten:

  • Leipziger SÖDU vernetzen
  • Kommunalpolitik, Verwaltung und die Öffentlichkeit für die Wichtigkeit von SÖDU sensibilisieren
  • Empfehlungen an die Kommunalpolitik formulieren, wie SÖDU im Raum Leipzig gefördert werden können.

Die wichtigsten Ergebnisse im Überblick

In Leipzig gibt es eine Menge Unternehmen, die anders wirtschaften wollen. In unseren Inverviews mit diesen Unternehmen haben wir nicht nur darauf geachtet, dass diese Unternehmen unseren Kriterien tendenziell entsprechen sondern auch, dass wir möglichst viele Branchen abdecken.

Probleme, Lösungen und Forderungen an die Kommunalpolitik

Im Rahmen unserer Studie haben wir drei Problembereiche identifiziert, die SÖDU zu schaffen machen. Bei den Lösungsvorschlägen beschränken wir uns auf die Möglichkeiten auf städtischer und kommunaler Ebene. Eine Auseinandersetzung mit nationalen oder globalen Fragen z.B. Lobbymacht von Konzernen oder Sinn und Unsinn von Werbung liegt außerhalb der Einflusssphäre kommunaler Akteure in Leipzig und hätte den Rahmen der Studie gesprengt.

Finanzierung

Für ein Unternehmen, das den Unternehmensgewinn und damit die Möglichkeit der Kreditbedienung nicht an erste Stelle stellt, ist es deutlich schwieriger, Kredite über konventionelle Banken zu erhalten. Viele Unternehmer_innen sehen auch davon ab, sich über Bankenkredite zu finanzieren, da sie keinen „Businessplan“ erstellen wollen, dessen finanziellen Vorgaben sie sich dann beugen müssen. Selbst die Finanzierung über Banken mit einer gewissen Gemeinwohlorientierung, wie die GLS-Bank, ist schwierig, da auch dort recht hohe Profitabilitätsansprüche gestellt werden.

Raum und Fläche

 

Das Thema Fläche und Raum kam in den Interviews immer wieder auf, allerdings in unterschiedlichen Formen:

 

  • Zugang zu landwirtschaftlichen Flächen für feldwirtschaftliche Projekte
  • Zugang zu gewerblichen Flächen
  • Die Nutzung öffentlicher Dachflächen für die regenerative Energieerzeugung
  • Hohe Mieten
  • Die Konzipierung Leipzig als Autostadt

 

Bürokratie und Behörden

Gerade für kleine Unternehmen, in denen oft viele Aufgaben auf wenige Menschen verteilt sind, ist es sehr aufwändig, sich in die bürokratischen Vorgaben für Unternehmensgründung oder Ausweitung des Unternehmens einzuarbeiten. Fragen, die dabei auftauchen sind: Was ist bei einer Unternehmensgründung zu beachten? Welche Unternehmensform ist die Richtige für Unternehmenskollektive? Was ist zu tun, wenn ich als Einzelunternehmer einen Mitarbeiter einstellen will? Viele Unternehmer_innen wünschen sich daher eine zentrale Anlaufstelle.

Zum schwierigen Gang durch den „Ämterdschungel“ kommt hinzu, dass die zuständigen Personen die Besonderheiten eines SÖDU oft nicht verstehen und erst einmal misstrauisch reagieren. Viele Unternehmer_innen wünschen sich daher mehr Offenheit für Unternehmen, die nicht in eine bestimmte Schublade passen.

 

Wie geht es weiter?

Jetzt geht es darum, mit unseren Forderungen Gehör zu finden. Wir wollen sowohl Kommunalpolitiker*innen als auch andere interessierte Menschen für die Wichtigkeit dieses Themas sensibilisieren. Die Botschaft ist: Eine soziale, ökologische und demokratische Wirtschaft existiert bereits im Kleinen und zwar direkt vor unserer Haustür. Diese muss durch bessere politische Rahmenbedingungen gefördert werden. Deswegen versuchen wir jetzt unsere Studie breit zu streuen und damit insbesondere Entscheidungsträger*innen zu erreichen. In Leipzig sprechen wir deswegen direkt die Fraktionen des Stadtrats an.

Wir haben das Projekt „Sinn fürs Geschäft“ im Herbst 2014 abgeschlossen. Unsere Erkenntnisse haben wir in einer Studie zusammengetragen. Dafür haben wir Ergebnisse aus den Interviews und dem Forum gesammelt, in einen theoretischen Rahmen eingebettet und konkrete Forderungen an die Kommunalpolitik formuliert.

Kontakt

Fragen zum Projekt beantwortet Kai Kuhnhenn k.kuhnhenn@knoe.org