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Degrowth

17. März 2026 / Parwaneh Mirassan

Das Geld mit der Wut

Wie Rage Bait auf Social Media die Filmindustrie beeinflusst


Rage Bait ist bewusst provokativer Content, der Social Media-Nutzer:innen mit Wut ködern möchte. Die Aufmerksamkeitsspanne ist kurz und das witzigere Video nur einen Scroll entfernt. Macht uns ein Post aber sehr wütend, schauen wir eher mal in die Kommentare um zu belehren, um sich zu versichern, dass nicht nur wir wütend sind oder – wenn wir die Manipulation sogar vermuten – zumindest um zu diskutieren ob das nun echt ist oder nicht. Die Möglichkeiten Wut zu erzeugen sind vielfältig, die Logik aber immer die selbe: man soll fassungslos darüber sein, wie ungeschickt, ungebildet oder untalentiert jemand ist.


Attraktiv ist Rage Bait weil Influencer bessere Werbedeals bekommen, je höher die Reichweite ist. Das gilt aber mittlerweile auch für alle anderen Medienbranchen. Das meiste Geld wird nicht mehr mit Plattenverkäufen und Konzertbesuchen oder mit DVD-Verkäufen und Kinobesuchen gemacht, sondern eben mit Werbedeals.


Die ersten breit diskutierten Rage-Bait Vorwürfe gab es gegen die Anwalts-Serie „All’s Fair“ mit Kim Kardashian. Mit dem Staffelstart wurde die Serie auf Rotten Tomato mit 0% bzw. einem Stern bewertet, während sie auf Hulu zur erfolgreichsten fiktionalen Originalserie der letzten drei Jahre wurde. Wie passt das zusammen? Die Serie wurde so unglaublich schlecht bewertet, dass sie schwer zu ignorieren war. Wie kann mit so viel Geld, Ressourcen und Talent so ein schlechtes Produkt entstehen? Ist die Serie so schlecht dass sie schon wieder gut ist? Oder zumindest so faszinierend schlecht, dass man nicht wegschauen kann?


Die selbe Frage stellten sich Zuschauer:innen wie Kritiker:innen beim neuen Film von Emerald Fennell, eine Adaption des Klassikers „Wuthering Heights“ von Emily Brontë. Der Film provoziert mit wildem Kostümenmix aus allen Epochen, unangenehmen Sexszenen und dem Auslassen eines zentralen Aspekts der Geschichte – Rassismus. Wer nun wütend aus dem Kinosaal läuft, sucht dann natürlich nach Podcasts, Videoessays und Memes die einem bestätigen: Ja das war wirklich kein guter Film.


Wir können damit rechnen, dass der Erfolg von All’s Fair und Wuthering Heights dazu führen wird, dass immer mehr absichtlich schlechte Filme und Serien produziert werden. Zumindest wenn es um große Blockbuster Produktionen geht. Denn das Ziel ist hier vor allem viel Umsatz zu machen. Es gibt aber auch einen Hoffnungsschimmer am Unterhaltungshorizont: Indieproduktionen. Meine persönliche Filmempfehlung: Lesbian Space Princess. Wer dann einen gemeinsamen Ausflug ins nächste Kino macht, unterstützt nicht nur das lokale Kinohaus, sondern kann danach mit Freund:innen schwärmen, statt mit wütenden Fremden im Internet zu streiten.

Dieser Beitrag wurde im Rahmen der Kolumne Gastwirtschaft der Frankfurter Rundschau veröffentlicht.