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Wie man sich (nicht) entschuldigt

Bausteine für Klimareparationen

Nandiuasora “Nandi” Mazeingo (Ovaherero Genocide Foundation), Sima Luipert und Johannes Maboss Ortmann (Nama Traditional Leaders Association) sowie Felix Henn (Werkstatt Ökonomie) betonen, dass echte Klimareparationen über symbolische Entschuldigungen hinausgehen müssen und immer materielle Gerechtigkeit beinhalten sollten. Sie nutzen die kaum aufgearbeiteten Folgen des Genozids an den Ovaherero und Nama als Beispiel dafür, dass Worte allein keine Gerechtigkeit schaffen, sondern konkrete Taten erforderlich sind.

Deutschlands Umgang mit dem Völkermord an den Ovaherero und Nama zeigt, wie Entschuldigungen und Wiedergutmachungen nicht funktionieren. Glaubwürdige Entschuldigungen erfordern im Kontrast dazu die vollständige Anerkennung der Ungerechtigkeit, die aktive Einbeziehung der Betroffenen, die Übernahme von Verantwortung durch autorisierte Vertreter, symbolische und materielle Maßnahmen sowie die Garantie, dass sich die Ungerechtigkeit nicht wiederholt. Ein gerechtes und angemessenes Wiedergutmachungspaket kann nur von den direkt Geschädigten definiert und akzeptiert werden, und zwar in direkter Absprache mit ihnen und nicht durch Dritte.

Symbolische Gesten allein reichen nicht aus. Wenn sie jedoch authentisch und freiwillig sind und in einen umfassenden Prozess der Übernahme von Verantwortung und der Bereitschaft zur Wiedergutmachung eingebettet sind, spielen sie eine wichtige Rolle.

Denn ohne Anerkennung kann es keine Verantwortung geben – ohne Verantwortung keine Gerechtigkeit – und ohne Gerechtigkeit kann es keine Versöhnung geben.

Post-Wachstum und Dekolonisation

Bausteine für Klimareparationen

Tonny Nowshin, Ökonomin und Degrowth Aktivistin aus Bangladesh, und Matthias Schmelzer, deutscher Wirtschaftshistoriker, argumentieren, dass Klimagerechtigkeit ein Ende der strukturellen Wiederholung von Schäden erfordert, indem sowohl das wachstumsorientierte, extraktivistische Wirtschaftsmodell als auch koloniale Machtverhältnisse überwunden werden.

Ein wesentliches Element von Klimareparationen ist die Garantie der Nicht-Wiederholung: Es muss sichergestellt werden, dass die strukturellen Ursachen des Schadens nicht fortbestehen. Im Kontext von Klimagerechtigkeit wird „Wiederholung“ durch die fortlaufende Reproduktion von Ungleichheiten durch ein globales Wirtschaftssystem angetrieben. Ein Wirtschaftssystem, das auf der Extraktion von Ressourcen, Arbeit und und Umwelt der Länder des Globalen Südens beruht. Die Garantie der Nicht-Wiederholung ernst zu nehmen, bedeutet daher, sich mit der wirtschaftlichen und politischen Ordnung auseinanderzusetzen, die diese Schäden hervorbringt. Es bedeutet eine Beendigung des wachstumsorientierten, extraktivistischen Modells, welches die derzeitige Weltwirtschaft stützt und die kontinuierliche Ausbeutung von Menschen und Umwelt ermöglicht. Um dieser Herausforderung gerecht zu werden, müssen Postwachstums-Perspektiven mit dekolonialen Ansätzen integriert werden. Gemeinsam bieten sie eine Vision – eine Welt nach dem Wachstum.

Zahlt für die Klimakrise!

Bausteine für Klimareparationen

Asian People’s Movement on Debt and Development, schreibt darüber, wie man von „Entwicklungshilfe“ zu tatsächlicher Gerechtigkeit kommt, wie man die Klimapolitik dekolonisiert und die wirtschaftliche Souveränität im globalen Süden wiederherstellt.

Klimafinanzierung steht im Zentrum des Kampfes für Klimagerechtigkeit. Das aktuelle Klimafinanzierungssystem ist zutiefst unzureichend, ungerecht und nicht im Einklang mit dem Ausmaß der Klimakrise und der Verantwortung der Verursacher*innen. Klimafinanzierung als Kernbestandteil von Klimareparationen zu betrachten, ist daher keine rhetorische Wahl, sondern eine politische Notwendigkeit. Die Bekämpfung des Klimawandels erfordert weit mehr als schrittweise Finanzierungssteigerungen. Sie verlangt eine Transformation globaler Wirtschafts- und Finanzsysteme, die Ausbeutung, Ungleichheit und ökologische Zerstörung ermöglicht haben. Öffentliche, zuschussbasierte und verlässliche Klimafinanzierung – bereitgestellt über demokratische, feministische und dekoloniale Mechanismen – ist ein unverzichtbares Fundament dieser Transformation.

Konzerne zur Verantwortung ziehen

Bausteine für Klimareparationen

Es geht um eine Grundsatzentscheidung:
Deutschland steht an einem Scheideweg, wie jede Nation, die zerstörerische Unternehmen beherbergt. Entweder kann es weiterhin eine Vorreiterrolle beim Klimaschutz vorspielen und gleichzeitig die Ausbeutung von Bodenschätzen ermöglichen, oder es muss sich für echte Rechenschaftspflicht entscheiden, indem es ungerechte Rechtssysteme abbaut, seine kolonialen Kontinuitäten anerkennt und Verantwortung übernimmt.

Nicholas Omonuk, Gründer von End Fossil Occupy Uganda erklärt die Straflosigkeit von Unternehmen als mangelnde Rechenschaftspflicht für Umweltzerstörung und Menschenrechtsverletzungen und zeigt, wie schwache Gesetze und Machtungleichgewichte solche Missstände ermöglichen.

Just Transition jetzt!

Bausteine für Klimareparationen

Auch die ärmeren Länder müssen auf sauberere Energiequellen umsteigen. Außerdem müssen sie sich an die negativen Auswirkungen des Klimawandels anpassen. Leider müssen die Länder, die seit Jahrhunderten Opfer von Kolonialismus und Neokolonialismus sind, nun erhebliche Teile ihrer Staatshaushalte für den Erwerb erneuerbarer Energiequellen und die Anpassung an den Klimawandel umwidmen, weil die größten CO(2)-Emittenten die Sache immer wieder auf die lange Bank schieben. Diese unjust transitions, die ihnen von den reichen Nationen aufgezwungen werden, können nicht fortgesetzt werden, wenn diese Länder noch das Ziel haben, andere Kämpfe zu gewinnen, wie die Beendigung des Hungers, den allgemeinen Zugang zu Bildung, den Anschluss der Haushalte an Wasser- und Stromleitungen und die Bereitstellung von qualitativ hochwertigen Straßen und Wohnungen. Aus diesem Grund brauchen wir just transitions.

Roland Ngam, Projektmanager für Klimagerechtigkeit bei der RLS in Johannisburg, zeichnet die Ursprünge des Begriffs Just Transition von Arbeitskämpfen bis hin zu Klimaverhandlungen nach und ordnet ihn in den Kontext von Klimareparationen ein.

Schäden und Verluste kompensieren

Bausteine für Klimareparationen

Obwohl die Länder des Globalen Südens am wenigsten für den Anstieg der weltweiten Kohlenstoffemissionen verantwortlich sind, sind sie am stärksten von der Klimakrise betroffen. Das zögerliche Tempo der Verhandlungen über Loss & Damages, der fehlende politische Wille und die mangelnde Finanzierung für Klimaschutz und Anpassung haben die Auswirkungen von Loss & Damages im Globalen Süden verschlimmert. Insbesondere die am wenigsten entwickelten Länder und die kleinen Inselstaaten wurden so um Klimagerechtigkeit gebracht. Laut dem Bericht des Zwischenstaatlichen Ausschusses für Klimaänderungen (IPCC) werden Verluste und Schäden mit der globalen Erwärmung zunehmen. Eine Begrenzung der Erwärmung auf 1,5°C würde die künftigen Auswirkungen zwar verringern, aber nicht beseitigen. Jede weitere Verzögerung und Untätigkeit erhöht Loss & Damages im Globalen Süden, untergräbt hart erkämpfte Errungenschaften der nachhaltigen Entwicklung und lähmt die Bemühungen der Länder des Globalen Südens, eine klimaneutrale Wirtschaft aufzubauen.

Hwei Mian Lim, unabhängige Beratungsexpertin und Mitglied des Facilitative Committee of the Women and Gender Constituency, erklärt Verluste und Schäden als unvermeidbare Klimaschäden, von denen der globale Süden unverhältnismäßig stark betroffen ist, verfolgt ihre historischen und strukturellen Ursachen, deckt trotz des neuen L&D-Fonds erhebliche Finanzierungslücken auf und hebt die Finanzierung als zentral für Klimagerechtigkeit und Reparationsbemühungen hervor.

Was Deutschland Kamerun schuldet

Über die Notwendigkeit von Klimareparationen

Während Deutschland seinen Wohlstand auf Kosten fossiler Industrien und kolonialer Ausbeutung aufgebaut hat, trägt Kamerun bis heute die Folgen dieser Ungerechtigkeit. Trotz minimaler historischer Emissionen, leidet das Land massiv unter der Klimakrise – mit Dürren, Überschwemmungen und wachsender sozialer Ungleichheit. Es ist Zeit für Deutschland, seiner Verantwortung gerecht zu werden. In unserem neuen Dossier „Was Deutschland Kamerun schuldet – über die Notwendigkeit von Klimareparationen“ sprechen wir über die Zusammenhänge zwischen kolonialer Herrschaft und Klimazerstörung und verdeutlichen: Ohne eine konsequente Aufarbeitung der Vergangenheit, bleibt Klimagerechtigkeit ein leeres Versprechen.

Klimaschulden und Reparationen

Bausteine für Klimagerechtigkeit

Schuldenstrich für Länder des Globalen Südens und Reparations­zahlungen für die vom Globalen Norden verursachte Klimakatastrophe – Jetzt!
Länder im Globalen Süden sind doppelt betroffen: Vom Klimawandel, den sie kaum mitverursacht haben, und sie haben Mühe, eine hohe, nicht gerechtfertigte Schuldenlast zu begleichen. Durch einen Schuldenstrich und Reparationszahlungen müssen wir der Klimagerechtigkeit einen Schritt näher kommen.

Braunkohlefolgen und Energiewende in Ostdeutschland

Sozialisierung der Kosten, Privatisierung der Gewi

Wer bezahlt die Braunkohle-Folgekosten? Diese Frage gerät anlässlich der Landtagswahlkämpfe in Sachsen und Brandenburg wieder ins Visier. Wir haben die relevanten demokratischen Parteien nach ihren Positionen gefragt und veröffentlichen hiermit ihre Antworten.

Unser neue Dossier bietet außerdem einen Überblick über den Stand der Vorsorgekonzepte für Braunkohlefolgen, benennt Risiken und schlägt alternative Ansätze vor. Die Vergesellschaftung des Energiesektors würde ermöglichen, Sanierungskonzepte, Energiewende und Strukturwandel stärker gemeinwohlorientiert und mit demokratischer Beteiligung der Bevölkerung vor Ort zu gestalten.

Bausteine für Klimagerechtigkeit

8 Maßnahmen für eine solidarische Zukunft

„Eine klimagerechte Welt, wie soll das gehen?“ Wer sich für soziale und ökologische Verbesserungen einsetzt, kennt diese skeptische Frage. Dieses Buch gibt konkrete Antworten: Es zeigt Wege in eine (klima-)gerechte Zukunft, die im Hier und Jetzt beginnen und Ökologisches und Soziales neu zusammendenken.

Die Idee hinter den Bausteinen für Klimagerechtigkeit sind wirksame Maßnahmen für einen sozial-ökologischen Umbau, die innerhalb der nächsten fünf bis zehn Jahre umsetzbar sind – jenseits von technischen Lösungen und Profitlogik. Jede ausgewählte Maßnahme stellt ein eigenes gesellschaftliches Transformationsprojekt dar, das sich durch drei Eigenschaften auszeichnet: Sie sind transformativ, solidarisch und machbar.

Die Bausteine für Klimagerechtigkeit wurden zusammen mit Expert*innen aus sozialen Bewegungen, Wissenschaft, Zivilgesellschaft, Kommunalpolitik und Gewerkschaften entwickelt. Dieses gesammelte Wissen soll Menschen inspirieren, ins Tun zu kommen. So ist dieses Buch eine Ressource für alle, die aktiv sind, und alle, die es werden wollen.