Die Klimakatastrophe ist keine Naturkatastrophe. Sie ist das Ergebnis historischer und gegenwärtiger Machtverhältnisse, kolonialer Ausbeutung und eines auf Wachstum und Profit ausgerichteten Wirtschaftssystems. Sie trifft nicht alle gleich und sie wurde auch nicht von allen gleichermaßen verursacht.
Mit dem Projekt „Bausteine für Klimareparationen“ haben wir gemeinsam mit sechs Autor*innen – größtenteils aus dem Globalen Süden – sechs Factsheets entwickelt, die zentrale Aspekte von Klimareparationen beleuchten. Ziel ist es, Klimareparationen als notwendiges politisches und gesellschaftliches Projekt sichtbar zu machen, abseits von Wohltätigkeit und technokratischen Lösungen.
Was sind Klimareparationen?
Klimareparationen sind weder Hilfe noch Wohltätigkeit. Sie sind ein Instrument, um die Ursachen der Krise anzugehen: historische Verantwortung, strukturelle Ungleichheit und systemische Verantwortung.
Sie bedeuten:
- Verantwortung übernehmen für verursachte Schäden
- Umverteilung von Ressourcen, Macht und Entscheidungsgewalt
- Strukturelle Ursachen der Krise angehen – statt nur Symptome zu verwalten
Die Bausteine
Um diese Elemente greifbar zu machen, haben wir sechs Bausteine für Klimareparationen entwickelt. In jeweils einem Factsheet beleuchten unsere Autor*innen zentrale Dimensionen:
- Konzerne zur Verantwortung ziehen
Nicholas Omonuk, Gründer von End Fossil Fuels Uganda erklärt die Straflosigkeit von Unternehmen als mangelnde Rechenschaftspflicht für Umweltzerstörung und Menschenrechtsverletzungen und zeigt, wie schwache Gesetze und Machtungleichgewichte solche Missstände ermöglichen. - Klimafinanzierung
Lidy Nacpil, phillipinische Klimaaktivistin und Gründerin des Asian People’s Movement on Debt and Development, schreibt darüber, wie man von „Entwicklungshilfe“ zu tatsächlicher Gerechtigkeit kommt, wie man die Klimapolitik dekolonisiert und die wirtschaftliche Souveränität im globalen Süden wiederherstellt. - Just Transitions jetzt!
Roland Ngam, Projektmanager für Klimagerechtigkeit bei der RLS in Johannisburg, zeichnet die Ursprünge des Begriffs Just Transition von Arbeitskämpfen bis hin zu Klimaverhandlungen nach und ordnet ihn in den Kontext von Klimareparationen ein. - Postgrowth und Dekolonialität,
Tonny Nowshin, Ökonomin und Degrowth Aktivistin von Bangladesh, und Matthias Schmelzer, deutscher Wirtschaftshistoriker, onny Nowshin und Matthias Schmelzer argumentieren, dass Klimagerechtigkeit ein Ende der strukturellen Wiederholung von Schäden erfordert, indem sowohl das wachstumsorientierte, extraktivistische Wirtschaftsmodell als auch koloniale Machtverhältnisse überwunden werden. - Wie man sich (nicht) entschuldigt
Nandiuasora “Nandi” Mazeingo (Ovaherero Genocide Foundation), Sima Luipert und Johannes Maboss Ortmann (Nama Traditional Leaders Association) sowie Felix Henn (Werkstatt Ökonomie) betonen, dass echte Klimareparationen über symbolische Entschuldigungen hinausgehen müssen und immer materielle Gerechtigkeit beinhalten sollten. Sie nutzen die kaum aufgearbeiteten Folgen des Genozids an den Ovaherero und Nama als Beispiel dafür, dass Worte allein keine Gerechtigkeit schaffen, sondern konkrete Taten erforderlich sind. - Schäden und Verluste kompensieren
Hwei Mian Lim, unabhängige Beratungsexpertin, erklärt Verluste und Schäden als unvermeidbare Klimaschäden, von denen der globale Süden unverhältnismäßig stark betroffen ist, verfolgt ihre historischen und strukturellen Ursachen, deckt trotz des neuen L&D-Fonds erhebliche Finanzierungslücken auf und hebt die Finanzierung als zentral für Klimagerechtigkeit und Reparationsbemühungen hervor.
Gemeinsam zeigen sie, wie Klimareparationen in der Praxis gedacht und umgesetzt werden können – in Deutschland und darüber hinaus
Warum brauchen wir Klimareparationen?
Die Klimakatastrophe ist zutiefst ungerecht.
Auf der einen Seite stehen diejenigen, die historisch und strukturell für sie verantwortlich sind: Länder, Unternehmen und Einzelpersonen, die von treibhausgasintensiver Produktion, Kolonialismus und Wirtschaftswachstum profitiert haben – und weiterhin profitieren. Deutschland etwa ist für rund 3 % der weltweiten historischen Emissionen verantwortlich, obwohl hier weniger als 1 % der Weltbevölkerung lebt. Der deutsche Wohlstand beruht auf Jahrhunderten von Industrialisierung, Ressourcenausbeutung und kolonialer Gewalt. Die Kontinuitäten wirken bis in die Gegenwart: Der koloniale Profit ermöglicht es gleichermaßen, sich verhältnismäßig gut an die Klimakrise anzupassen.
Auf der anderen Seite stehen Gemeinschaften, Länder und Ökosysteme im Globalen Süden, die die Hauptlast tragen. Kamerun beispielsweise hat nur rund 0,2 % der globalen historischen Emissionen verursacht, ist aber massiv betroffen: durch Überschwemmungen, Dürren, den Verlust von Lebensgrundlagen und Biodiversität. Gleichzeitig fehlen die finanziellen, politischen und infrastrukturellen Mittel, um sich zu schützen oder Schäden auszugleichen.
Diese Ungerechtigkeit ist kein Zufall. Sie ist das Ergebnis jahrhundertelanger Enteignung, kolonialer Ausbeutung, unfairer Handelsbeziehungen und neokolonialer Wirtschaftsstrukturen. Dieselben Systeme, die die Klimakatastrophe verursacht haben, bestimmen auch weiterhin, wer darunter leidet und wer davon profitiert.