Bildung Macht Zukunft – Lernen für die sozial-ökologische Transformation?

Sammelband

Laufzeit: 01/2019 – 12/2020

Seit Ende August 2020 gibt es den Sammelband zu unserer Konferenz Bildung Macht Zukunft – Lernen für die sozial-ökologische Transformation? (Feb. 2019 in Kassel) druckfrisch im Wochenschau Verlag. Darin beschreiben und diskutieren ca. 40 Autor*innen aus Bildungspraxis, Wissenschaft und sozialen Bewgungen ihre Perspektiven, Erfahrungen und Fragen rund um Bildung und Lernen auf dem Weg in eine gute Zukunft für Alle. Es geht dabei darum welche Rolle Bildung überhaupt für gesellschaftliche Veränderung spielen kann, wie darin mit Machtstrukturen und Diskriminierung umgegangen wird und um ganz konkrete Beispiele wie Bildung für nachhaltige Entwicklung/Globales Lernen im Sinne einer kritischen politischen Bildung in Schule, Stadtrundgängen, Jugendzentren und im Wald umgesetzt und weitergedacht werden kann.

Als Ausgangspunkt für die Beträge haben wir die Autor*innen gefragt:

Wie können wir im Kontext von Bildung…

– eine kritische Haltung stärken & Machtstrukturen aufbrechen?
– einen Umgang mit komplexen Zusammenhängen lernen & Ursachen globaler Krisen angehen?
– Emanzipation fördern & Menschen für eine sozial-ökologische Veränderung der Gesellschaft bestärken?

 

Als kleine Kostprobe könnt ihr hier exemplarische abstracts einzelner Texte aus dem Band lesen:

Julia Lingenfelder: Transformatives Lernen: Buzzword oder theoretisches Konzept?

Angesichts der multiplen Krisen wird derzeit verstärkt über eine sozial-ökologische Transformation diskutiert. Der Begriff der Transformation ist dabei umstritten. Mit sozial-ökologischer Transformation bezeichne ich hier den Übergang vom Kapitalismus hin zu einer solidarisch gerechten Gesellschaft im Einklang mit der Natur. Die Suche danach findet zurzeit vor allem in der Bildungspraxis statt. Vielfach geschieht dies unter den Schlagwörtern transformatives Lernen oder transformative Bildung. Aber was unter transformativer Bildung verstanden wird, ist unscharf und widersprüchlich. So läuft der Diskurs Gefahr, lediglich ein neues Buzzword zu erschaffen. Sollten wir den Begriff also wieder beiseite legen und auf bereits etablierte Begriffe zurückgreifen? Dieser Artikel versucht sich an einem Beitrag dazu, das Verständnis eines transformativen Lernens im Sinne einer politischen Bildung zur sozial-ökologischen Transformation zu schärfen und fragt außerdem nach Impulsen aus dem transformativen Lernen für eine kritische politische Bildung hin zur sozial-ökologischen Transformation.

Patrick Brehm: Transformation durch die Kopiervorlage!? Anmerkungen zur Transformationsdebatte aus Sicht schulischer Bildungspraxis
Dieser Kommentar aus dem „Abenteuerland zwischen schulischer Bildungspraxis, gesellschaftlicher Transformationsbewegung und wissenschaftstheoretischer Bildungsavantgarde“ argumentiert für die These, dass eine Diskussion um Bildung für die sozial-ökologische Transformation nur dann selbst transformativ wirkt, wenn sie die Mehrheit der Schulen erreicht. Sie darf Bildungspraktiker*innen nicht überfordern, sondern sollte sie insbesondere in ihren alltäglichen Bildungsbemühungen unterstützen.
Nadine Kaufmann: Und wenn es auch anders möglich wäre? – Postwachstum als Perspektive für eine kritisch-emanzipatorische Bildung im Kontext von Nachhaltigkeit
Dieser Beitrag argumentiert, dass es für einen sozial-ökologischen Umbau unserer Gesellschaft notwendig ist, bestimmte Normalitäten einer wachstumsorientierten Wirtschaftsweise zu hinterfragen und zu verändern. Er bezieht sich auf „Postwachstum“ bzw. „Degrowth“ als machtkritische Ansätze, die eine Fokussierung auf Wirtschaftswachstum in Frage stellen und Alternativen eines solidarischen und ökologisch nachhaltigen Zusammenlebens vorschlagen. Anschließend teilt der Artikel einige Gedanken, wie aus einer Degrowth-Perspektive Globales Lernen und Bildung im Kontext von Nachhaltigkeit weitergedacht werden kann. Im Sinne einer kritisch-emanzipatorischen Bildung schlägt er zwei miteinander verknüpfte Aspekte vor: 1. Räume schaffen für gemeinsame Reflexion und 2. eine Bildung, die sich vielmehr als politische Bildung versteht. Dabei diskutiert sie ihre Erfahrungen in der Bildungsarbeit des Konzeptwerks neue Ökonomie e.V.
Fiona Faye, Franziska Müller und Lisa Ernst: Was bedeutet es, wenn postkoloniale Perspektiven in sozial-ökologischer Transformation berücksichtigt werden? Ein Gespräch von Kassel postkolonial
In dem Gespräch geht es um die Frage, was es bedeutet, wenn postkoloniale Perspektiven bei einer sozial-ökologischen Transformation mitgedacht werden. Es werden Überlegungen darüber angestellt, welche Visionen wir in diesem Zusammenhang für ein globales Lernen entwickeln können. Ein wichtiger Aspekt besteht darin, genauer zu überlegen, was mit postkolonialen Perspektiven überhaupt gemeint ist, bezogen auf individuelles, gesellschaftliches und institutionelles Reflektieren und Handeln. Denn in jedem dieser Bereiche lassen sich postkoloniale Muster identifizieren.
Moritz Niehaus, Benjamin Hornung: Gewerkschaftliche Bildung zur sozial-ökologischen Transformation – Ein Seminarkonzept und Praxisbericht
Dieser Beitrag skizziert zunächst das Spannungsfeld Ökologie aus Perspektive von Gewerkschaften. Mit der Bewegung Fridays for Future hat 2019 ein verstärkter Austausch zwischen Gewerkschaften und Klimabewegung stattgefunden. Doch in den Gewerkschaften wird das Thema schon länger diskutiert – auch in der Bildungsarbeit. Dieser Artikel stellt ein Seminarkonzept mit dem Titel „Immer mehr immer schneller? Alternativen zum Wirtschaftswachstum“ vor, das jährlich als fünftägiger „Bildungsurlaub“ angeboten wird. Es knüpft an alltägliche Erfahrungen von Beschäftigten an, wonach Arbeitsverdichtung und Produktivitätswachstum weder ihrer Gesundheit noch der Umwelt dienen. Das Seminar bietet einen Raum, um sozial-ökologische Gegenmodelle zum derzeitigen Wirtschaftssystem zu entdecken, damit es nicht beim bloßen Unbehagen („hier stimmt etwas nicht“) der Beschäftigten bleibt. Nach Darstellung des Seminarkonzepts ordnet der Beitrag die zuvor dargestellte Seminarwoche in das Konzept der gewerkschaftlichen Bildungsarbeit ein.
Julia Lingenfelder, Karolin Kalmbach, Bettina Lösch: Klasse/class: Die vernachlässigte Dimension sozialer Ungleichheit – Überlegungen und Anregungen für die politische Bildungsarbeit
In diesem Beitrag wird eine Broschüre zum Thema „What about class? Materialien und Methoden für eine klassenbewusste politische Bildung“ vorgestellt, die ein Arbeitskreis an der Universität Köln für Lehramtsstudierende erstellt hat. Kapitalismuskritische sowie klassentheoretische Analysen sind in der politischen Bildungsarbeit derzeit kaum zu finden. Zwar wird zunehmend von Klassismus gesprochen, dieser aber auf eine Diskriminierungskategorie reduziert. Soziale Ungleichheit, Herrschafts-, Macht- und Ausbeutungsverhältnisse werden dagegen eher selten zum Gegenstand von Bildungsprozessen gemacht. Die Broschüre soll Anregungen für eine politische Bildungsarbeit liefern, die race, gender und class in den Blick nimmt.
Andreas Eis, Max Frauenlob: Lernen in Bewegung: Zur Bildung kollektiver Handlungsfähigkeit in sozial-ökologischen (Bildungs-)Bewegungen
Anhand der Klimagerechtigkeitsbewegung wollen wir veranschaulichen, wie (junge) Menschen kollektive Handlungsfähigkeit in sozialen Bewegungen entwickeln und welches Verständnis politischer Selbstbildung sich in sozialen Bewegungen zeigt. Unter einer machtkritischen Perspektive stellt sich uns dabei die Frage, welche sozialen Differenzlinien, Ausschlüsse und Herrschaftsverhältnisse in sozialen Bewegungen infrage gestellt oder auch reproduziert werden. Wir greifen dabei auf ein Modell zur Analyse informeller Lernprozesse zurück, mit dem wir soziale Bewegungen als einen „Lern-/Handlungsraum“ verstehen, in dem konkrete politische Erfahrungen mit kollektiven Lernprozessen verknüpft werden. Zur Reflexion der eigenen sozialen Positionierung schlagen wir eine herrschaftskritische Erweiterung dieses Analysemodells vor und werden dies am Beispiel der Klimagerechtigkeitsbewegung veranschaulichen. Abschließend stellen wir die Frage, wie soziale Bewegungen von- und miteinander lernen können, als eine zentrale Herausforderung für die Realisierung kollektiver Handlungsfähigkeit für eine sozial-ökologische Transformation.

Ansprechpartnerin:
Nadine Kaufmann

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Für wen ist das Buch interessant?
Lehrer*innen, außerschulische Multiplikator*innen und Lernbegleiter*innen und alle, die sich in sozialen Bewegungen, Wissenschaft oder im Wohnzimmer mit dem Thema beschäftigen (möchten).

Gibt es darin auch Bilder?
Ja, z.B. vom „Machtspiel“, einem Kunstprojekt von Friederike Preuschen, bei dem alle auf der Konferenz mitspielen konnten und tolle Wortspiele entstanden sind (siehe Bildslider).

Wie kann ich das Buch bestellen?
Das Buch könnt ihr direkt beim Verlag bestellen. Oder ihr regt die Bibliothek/Bücherei in eurer Nähe dazu an, es anzuschaffen – dann können es noch mehr Menschen lesen.