Pressemitteilung   |   15.03.2018

ZEIT WISSEN-Preis Mut zur Nachhaltigkeit +++ Kritik an Beteiligung der Aurubis AG am Preis

Anlässlich der bevorstehenden Verleihung des ZEIT Wissen-Preises „Mut zur Nachhaltigkeit“ am 20. März in Hamburg erneuert das Konzeptwerk Neue Ökonomie, eine der nominierten Organisationen, seine Kritik am Nachhaltigkeitspreis. Der Preis wird von den Trägern der Initiative „Mut zur Nachhaltigkeit“, dem Magazin ZEIT WISSEN des ZEIT-Verlags, der Stiftung Forum für Verantwortung und der Aurubis AG ausgelobt.

 

 

 

„Wir schätzen die Dialogbereitschaft des ZEIT-Verlags und der Aurubis AG, doch auch nach persönlichen Gesprächen mit beiden stehen wir der konkreten Ausgestaltung des Preises weiterhin kritisch gegenüber“, sagte Nadine Kaufmann vom Konzeptwerk Neue Ökonomie. „Die Gespräche konnten unsere Bedenken letztlich nicht entkräften, dass der Preis mit der öffentlichkeitswirksamen und unhinterfragten Beteiligung der Aurubis AG dazu beiträgt, den dringend benötigten kontroversen Dialog über Nachhaltigkeit in unserer Gesellschaft zu verwässern.“

 

 

 

Ökologische und soziale Belange müssen zurückstehen, wenn Gewinne gefährdet sind

 

 

 

Zwar erkennt das Konzeptwerk an, dass sich Aurubis als Kupfer verarbeitende Aktiengesellschaft weitaus mehr um Nachhaltigkeit bemüht als andere Unternehmen der Branche. „Dennoch folgt die Nachhaltigkeitspolitik von Aurubis letztlich der Maxime, dass ökologische und soziale Belange hinter ökonomischen Gründen zurückstehen müssen“, so Kaufmann. Das zeige sich darin, dass sich Aurubis trotz jahrelanger kritischer Nachfragen und ernst zu nehmender Hinweise auf Menschenrechtsverstöße in den Bezugsländern weigert, transparent zu machen, aus welchen Kupferminen es seine Rohstoffe bezieht. Damit stelle sich die Frage: Lobt ein Konzern einen Nachhaltigkeitspreis mit aus, hinter dessen Produkten Menschenrechtsverletzungen stehen?

 

 

 

Sehr kritisch sieht das Konzeptwerk zudem den langjährigen Liefervertrag von Aurubis mit dem Steinkohlekraftwerk Moorburg. „Kohleverstromung ist die klimaschädlichste Form der Stromerzeugung; der rasant voranschreitende Klimawandel verletzt grundlegende soziale Rechte von Menschen auf eine sichere Existenz und Selbstbestimmung, vor allem im globalen Süden, und zerstört die ökologischen Grundlagen eines gutes Lebens für alle Menschen“, kritisiert Christoph Sanders vom Konzeptwerk Neue Ökonomie. Dies im Kontext des Preises nicht offensiv zu thematisieren, verschleiere, wie umfassend und schnell der Globale Norden seine Produktionsmuster umstellen müsse.

 

 

 

„Die Initiatoren des ZEIT Wissen-Preises versäumen es, den Finger in dies Wunde zu legen“

 

 

 

Sanders: „Die Initiatoren des ZEIT Wissen-Preises versäumen es, den Finger ebenso öffentlichkeitswirksam in diese Wunden zu legen wie sie öffentlichkeitswirksam im Kontext des Preises das Konzern-Logo von Aurubis platzieren. Wenn wir mit der sozial-ökologischen Transformation der Gesellschaft effektiv vorankommen wollen, kommen wir an grundsätzlichen und zum Teil tief ins Selbstverständnis unser kapitalistisch geprägten Gesellschaften gehenden Fragen nicht vorbei: Inwiefern kann ein börsennotierter Konzern wie Aurubis überhaupt soziale und ökologische Belange über die Profitinteressen seiner Aktionär*innen stellen? Müssen wir den Kupferabbau und damit unsere Versorgung mit Primärrohstoffen einschränken, wenn die Menschen vor Ort ihre Lebensgrundlage dadurch ernsthaft bedroht sehen? Wie kann sich die Welt demokratisch darüber einig werden, was produziert und konsumiert werden kann, wenn ökologische und soziale Belange tatsächlich unverhandelbar sind? Auf diese Fragen müssen wir Antworten suchen, und zwar in einem gleichberechtigten und öffentlichen Dialog, in dem zivilgesellschaftliche und direkt betroffene Akteure genauso gehört werden wie große Unternehmen.“

 

 

 

Mögliches Preisgeld geht an bergbaukritisches Netzwerk in Peru

 

 

 

Das Konzeptwerk kündigte an, für den Fall, dass es den Preis in der Kategorie „Wissen“ zugesprochen bekommen sollte, das Preisgeld in Höhe von 10.000,- Euro an das Netzwerk „Red Muqui“ aus Peru weiterzuleiten. Das Netzwerk engagiert sich kritisch zu den Praktiken von Bergbaukonzernen und deren Geschäftspartner*innen. Bei „Red Muqui“ arbeiten Akteure zusammen, die sich für Menschen einsetzen, die von Gesundheitsproblemen, Vertreibung, Umweltbelastungen und Menschenrechtsverletzungen durch den Bergbausektor betroffen sind. Das Preisgeld in der Kategorie Wissen wird nicht von der Aurubis AG gestellt, sondern von der Stiftung „Forum für Verantwortung“.

 

 

 

Mehr zum ZEIT WISSEN-Preis „Mut zur Nachhaltigkeit“

 

 

 

Informationen zum Nachhaltigkeitspreis 2018 finden Sie unter www.mut-zur-nachhaltigkeit.zeit.de/nominierte/2018. Die Bekanntgabe der Preisträger*innen und die Preisverleihung finden am 20. März 2018 im Rahmen des ZEIT WISSEN-Nachhaltigkeitskongresses in Hamburg statt. Das Konzeptwerk ist neben zwei weiteren Akteuren in der Kategorie „Wissen“ für den Preis nominiert.

 

 

 

Eine ausführliche Stellungnahme zu unserer Kritik an der Beteiligung der Aurubis AG am ZEIT WISSEN-Preis „Mut zur Nachhaltigkeit“ inklusive Hintergrundstudien finden Sie hier: www.konzeptwerk-neue-oekonomie.org/zeit-wissen-preis-mut-zur-nachhaltigkeit/

 

 

Kontakt für Rückfragen

 

Nadine Kaufmann
0341 – 39281686
n.kaufmann@knoe.org

 

 

 

Über das Konzeptwerk Neue Ökonomie

Das Konzeptwerk setzt sich für eine soziale, ökologische und demokratische Wirtschaft und Gesellschaft ein. Es eröffnet Bildungs- und Austauschräume rund um Themen des sozial-ökologischen Wandels und will zeigen, dass alternative Wirtschaftsformen schon heute existieren und als Anknüpfungspunkte für diesen Wandel dienen. Durch die Kooperation mit wachstumskritischen Initiativen und sozialen Bewegungen für globale Gerechtigkeit will das Konzeptwerk Neue Ökonomie e.V. eine Veränderung von unten bestärken.
Mehr unter www.konzeptwerk-neue-oekonomie.de

 

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