Titelbild Mit grüner Marktwirtschaft das Klima retten? Klimagerechtigkeits-Check der Ampel-Regierung

CO2-Budgets und Klimaschulden

17. Februar 2022

Wenn wir historische Klimaschulden mit einberechnen, sind die deutschen CO2-Budgets für die Einhaltung der Pariser Klimaziele längst aufgebraucht. Die Emissionen müssen nicht nur schnellstmöglich sinken, sondern globale Klimagerechtigkeit muss auch auf anderen Wegen geschaffen werden. Hier bieten wir einen Überblick über verschiedene Budgetrechnungen und ihre Konsequenzen.
In unseren letzten Veröffentlichungen zu den Wahlprogrammen der Parteien und dem Koalitionsvertrag der Ampel-Regierung haben wir jeweils CO2-Budgetrechnungen aufgestellt. Diese Budgetrechnungen stellen die Mengen an CO2 dar, die nach den jeweils formulierten Klimazielen in Deutschland in den nächsten Jahrzehnten insgesamt noch ausgestoßen werden sollen. [1] Wir vergleichen diese Werte mit den laut Weltklimarat IPCC noch verbleibenden weltweiten Gesamtbudgets für die Erreichung verschiedener Temperaturgrenzen. Diese werden vom IPCC jeweils in verschiedenen Wahrscheinlichkeitsstufen berechnet. So ist das Budget, mit dem die 1,5 °C-Grenze mit einer Wahrscheinlichkeit von 83% eingehalten werden kann, deutlich kleiner als das Budget, innerhalb dessen die Grenze nur mit einer Wahrscheinlichkeit von 67% eingehalten wird. [2]

Die Budgets des IPCC verteilen wir dabei gleichmäßig auf die Weltbevölkerung, sodass für Deutschland ein Anteil von etwas mehr als 1% reserviert ist. Häufig wird bemerkt, dass diese Budgetrechnungen eine wichtige Dimension von Klimagerechtigkeit ignorieren: historische Klimaschulden. Denn bis heute emittiert Deutschland pro Kopf mehr als den weltweiten Durchschnittswert [3] – auf dieser Grundlage konnte seit über einem Jahrhundert hier großer materieller Reichtum produziert werden. So haben Deutschland und andere frühindustrialisierte Länder mit einem überschaubaren Anteil der Weltbevölkerung den Großteil der CO2-Speicherkapazitäten der Atmosphäre bereits für sich beansprucht. Würden andere Länder die gleiche Entwicklung nachholen, so würden alle Klimaziele verfehlt. Die Budgetrechnung zeigt damit neokoloniale Beziehungsmuster auf: Der globale Norden eignet sich die Erdatmosphäre an und profitiert davon auf Kosten des globalen Südens. Dort hat die Klimakrise zuerst dramatische Auswirkungen, obwohl die Menschen dort im Durchschnitt am wenigsten zum Problem beigetragen haben.

Deutschlands 1,5 °C-Budgets: Bald ist es zu spät

In unseren letzten Veröffentlichungen haben wir, basierend auf der Methodik des Sachverständigenrats für Umweltfragen der Bundesregierung [4], lediglich die Klimaschulden seit 2016 berücksichtigt: Das markiert den Zeitpunkt nach Unterzeichnung des Pariser Klimavertrags. Spätestens hier, so das Argument, haben sich fast alle Staaten dazu bekannt, die Erderhitzung „möglichst“ auf 1,5 °C, aber mindestens auf „deutlich unter“ 2 °C zu begrenzen. Daran müssen sie sich messen lassen. Nach dieser (jetzt aktualisierten) Rechnung werden die deutschen Budgets für 1,5 °C – mit den unterschiedlichen Wahrscheinlichkeitsstufen der Erreichung dieses Ziels – in den nächsten fünf Jahren aufgebraucht sein. Bei Einhaltung des Klimaschutzgesetzes würde Deutschland mehr als doppelt so viel emittieren als maximal zulässig wäre, um auch nur eine 50%-Chance auf 1,5 °C zu gewährleisten (7-7,4 Gt statt ca. 3,1 Gt CO2). Auch das Budget für eine 67%-Chance auf 1,75 °C (6,1 Gt) würde so überschritten. Für 2°C wäre es voraussichtlich ausreichend, die Emissionen bis etwa 2040 auf Null zu senken. Die offiziellen Vorgaben des deutschen Klimaschutzgesetzes kommen dem zwar zumindest nahe, doch aktuell ist angesichts der zögerlichen staatlichen Maßnahmen sehr fraglich, ob der dort vorgesehene Pfad wirklich eingehalten werden kann.

Infografik zu den deutschen Klimazielen und CO2-Budgets
Abbildung 1: Zukünftige deutsche CO2-Emissionen nach Klimaschutzgesetz verglichen mit den verbleibenden CO2-Budgets für verschiedene Klimaziele (nach Budgetrechnung ab 2016). Der schraffierte Bereich stellt die Unsicherheit da, die sich aus der potentiell unterschiedlichen Entwicklung der CO2- und Non-CO2-Emissionen ergibt (Klimaschutzgesetz gibt gesamte Treibhausgasemissionen vor). [1] Werte korrigiert nach Verständigung mit dem Sachverständigenrat für Umweltfragen.

Rechnung seit 1990: Die deutschen Paris-Budgets sind längst aufgebraucht

In unserer neuen Berechnung machen wir nun einen Vergleich auf: Was passiert eigentlich mit den Budgets, wenn wir wenigstens die Klimaschulden seit 1990 einberechnen? 1990 ist das Vergleichsjahr, auf das sich am Anfang des UN-Klimaprozesses verständigt wurde. Auch das blendet natürlich bereits über ein Jahrhundert Industrialisierung aus. Dennoch ist das Ergebnis sehr deutlich: Nach dieser Berechnung wurden die deutschen Budgets für 1,5 °C bereits um 2010 verbraucht. In den 2010ern wurden auch die 1,7 °C und 1,8 °C unerreichbar – also die letzten Ziele, die sich noch als kompatibel mit dem Pariser Vertrag bezeichnen lassen. Auch die Chance auf 2 °C schwindet momentan rapide: In diesem Jahr wird das Budget für eine 67%-ige Chance auf die Einhaltung dieser Grenze verbraucht sein, 2027 dann auch das für eine bloß 50%-ige Chance. Würden wir noch einige Jahre weiter zurückrechnen, also noch mehr Klimaschulden einbeziehen, wären natürlich auch diese Ziele längst verpasst.

 

KlimazielBudget 1990
(Gt CO2)
Verbraucht im Jahr…Restbudget 1. Januar 2022
(Gt CO2)
1,5 °C (83%)16,67
14,94 (alt)
2008
2005 (alt)
-10,34
-12,64 (alt)
1,5 °C (67%)17,93
16,21 (alt)
2009
2007 (alt)
-9,07
-11,37 (alt)
1,5 °C (50%)19,2
17,48 (alt)
2011
2008 (alt)
-7,8
-10,10 (alt)
1,7 °C (67%)21,74
20,02 (alt)
2014
2012 (alt)
-5,26
-7,56 (alt)
1,8 °C (67%)23,65
21,93 (alt)
2017
2014 (alt)
-3,35
-5,66 (alt)
2 °C
(67%)
27,45
25,74 (alt)
2022
2019 (alt)
0,46
-1,85 (alt)
2 °C
(50%)
30
28,28 (alt)
2027*
2023 (alt)
3
0,69 (alt)

* gemäß Pfad nach Klimaschutzgesetz

Infografik zu den historischen Klimaschulden und den CO2-Budgets seit 1990
Abbildung 2: Historische Entwicklung des deutschen CO2-Budgets seit 1990 nach verschiedenen Klimazielen. Berechnung bezieht sich auf aktuelle IPCC-Budgets. Zu diesen wurden die weltweiten Emissionen seit 1990 addiert und die so errechneten Budgets für 1990 gleichmäßig auf die Weltbevölkerung aufgeteilt.

Klimaschulden – wie begleichen?

Die Zahlen legen offen, dass es nicht mehr möglich sein wird, angehäufte Klimaschulden einfach nur durch überdurchschnittlich konsequenten Klimaschutz in der Zukunft zu „begleichen“. Zu viel Schaden wurde bereits angerichtet. Umso wichtiger wird es jetzt, globale Klimagerechtigkeit in verschiedenen Politikbereichen durchzusetzen: Die finanzielle Unterstützung für Anpassungsmaßnahmen in besonders von der Klimakrise betroffenen Ländern durch Staaten wie Deutschland muss deutlich steigen. Ebenso müssen klimafreundliche Technologien in ärmeren Ländern verfügbar gemacht werden – und zwar im Sinne einer selbstbestimmten Entwicklung, die nicht durch geistige Eigentumsrechte in den Händen europäischer und nordamerikanischer Konzerne erschwert wird. Internationale Handelsbeziehungen müssen insgesamt gerechter werden, statt die ungleichen Machtverhältnisse über immer neue Freihandelsverträge fortzuschreiben. Der globale Süden darf dabei nicht nur als Rohstofflager für Klimatechnologien behandelt werden, während die Profite in den Norden abfließen. Auch müssen sichere Fluchtwege für Menschen geschaffen werden, die durch die direkten und indirekten Auswirkungen der Klimakrise – etwa auch durch bewaffnete Konflikte – gezwungen sehen, ihre Heimat zu verlassen.

Das sind nur einige der offensichtlichsten Dimensionen. Konsequenter Klimaschutz in Deutschland muss natürlich zusätzlich passieren – seine weitere Aufschiebung darf nicht wie in manchen internationalen Ausgleichsmechanismen vorgesehen einfach gegen die Unterstützung von mehr oder weniger fragwürdigen Klimaschutzprojekten im globalen Süden „verrechnet“ werden.

Budgets und Klimaschulden: immer politisch!

Der Vergleich zeigt, warum Klimaschulden ein solches Tabu in der politischen Diskussion sind: Sie sind sozusagen ein Fass ohne Boden. Die Grafiken veranschaulichen gleichzeitig, warum Budgets und Referenzjahre in der internationalen Klimapolitik grundsätzlich so umstritten sind: Je nachdem, welche vergangenen Emissionen einbezogen werden, verschieben sich die Rechnungen dramatisch. „Objektiv“ richtige Lösungen gibt es nicht. Budgets sind immer politisch!

Das gilt auch für das von uns verwendete Prinzip der gleichmäßigen Pro-Kopf-Verteilung. Länder mit historisch hohen Emissionen, also großen Klimaschulden, bevorzugen stattdessen meistens eine Zielformulierung, bei der sie ihre Emissionen ausgehend von ihrem hohen Niveau um einen bestimmten Prozentsatz senken – und umschiffen so elegant die Frage der Klimaschulden. Auch die Frage, wie die Bevölkerungsentwicklung berücksichtigt wird, ist hochpolitisch. Unsere Berechnung passt die pro Kopf verteilten Emissionsbudgets an die Bevölkerungsentwicklung an, um Menschen nicht für Bevölkerungswachstum in ihrem Land klimapolitisch zu bestrafen. (Da sich der relative Bevölkerungsanteil eines Landes an der Weltbevölkerung mit der Zeit verändert, haben wir den Durchschnittswert seit 1990 zugrunde gelegt. Der deutsche Anteil ist dabei zwischen 1990 und 2020 von 1,5% auf 1,07% gesunken; im Durchschnitt betrug er 1,27%. [5])

Abschließend noch ein Hinweis zur Einordnung dieser Zahlen: Auch wenn die Budgetangaben auf einzelne Länder und Jahre heruntergebrochen sehr exakt wirken, ist zu bedenken, dass die zu Grunde liegenden globalen Gesamtbudgets, die der Weltklimarat in groben Schritten von 50 Gigatonnen angibt, mit Unsicherheiten behaftet sind. Sie enthalten zudem nur direkte CO2-Emissionen aus der Verbrennung fossiler Brennstoffe, die klar territorial zuordbar sind. Nicht einberechnet sind andere Treibhausgase wie Methan (MH4) und Distickstoffmonoxid (N2O), die parallel reduziert werden müssten. Auch Emissionen aus veränderter Landnutzung, z.B. Waldrodungen, sind nicht enthalten, ebenso wie CO2 aus dem internationalen Flugverkehr. Trotz dieser Einschränkungen sind die Budgets hilfreiche Orientierungsmarken, die zeigen, auf welchem Klima-Zielkurs wir uns eigentlich befinden – und wie viel Klima-Ungerechtigkeit es aufzuarbeiten gibt. Für Klimagerechtigkeit dürfen wir aber nicht bei Zahlen stehenbleiben, sondern müssen vor allem qualitativ denken und globale soziale Beziehungen anders gestalten.

Korrektur und Ergänzung (Juni 2022)

Nach Erscheinen dieses Beitrags setzte sich unser Austausch mit Wissenschaftler*innen über die Budgetberechnungen fort. Wir wurden dabei auf eine Ungereimtheit in unseren Zahlen aufmerksam gemacht, die teilweise bereits in den Berechnungen des SRU enthalten war.[6] Nach Verständigung mit dem SRU haben wir daher unsere Darstellung noch einmal aktualisiert. Sie beinhaltet jetzt die neuesten Zahlen und ist gewissermaßen mehrfach wissenschaftlich geprüft. Wir bedanken uns bei Andrea Bues und Wolfgang Lucht (beide SRU) sowie Mirko Schäfer (INATECH Uni Freiburg) für die gemeinsamen Anstrengungen zur Aufklärung der komplizierten Sachlage.

Was bedeutet das? Das verbleibende deutsche CO2-Budget (nach SRU-Methode) ist durch die Neuberechnung geringfügig angewachsen – um etwa 300 Megatonnen, also etwas weniger als die deutschen Emissionen eines halben Jahres.[7] Nach wie vor gilt aber: Alle 1,5 °C-Budgetmarken für Deutschland würden nach dem Pfad des Klimaschutzgesetzes bei Berechnung ab 2016 (SRU-Methode) in den nächsten Jahren überschritten, nur jeweils einige Monate später als bisher kalkuliert. In der Klimaschulden-Methode ab 1990 wirkt sich die Verschiebung entsprechend stärker aus (das Startbudget 1990 war somit um 1,72 Gt höher, das heute verbleibende um 2,3 Gt). Dennoch sind nach wie vor alle Budgets für 1,5 °C, 1,7 °C und 1,8 °C verbraucht. Das deutsche Restbudget fürs 2 °C-Ziel würde in diesem Jahr bzw. 2027 überschritten (bei 67% bzw. 50% Wahrscheinlichkeit).

Als interessante Neuerscheinung zum Thema empfehlen wir die im Juni erschienene Stellungnahme des SRU zum deutschen CO2-Budget, die auch mehrfach auf die Arbeit des Konzeptwerks verweist und die oben eingefügte überarbeitete Abbildung enthält. Die Stellungnahme geht sehr ausführlich auf die Berechnung des Budgets und die diversen Kriterien ein, anhand derer es sich als für Deutschland sehr großzügig einschätzen lässt. Sie enthält auch eine umfassende Kritik an der weit verbreiteten Vorstellung, die Budgets überreizen zu können, indem zukünftige Negativemissionen für nachträglichen Ausgleich sorgen: Die großflächige Anwendbarkeit der verschiedenen in Entwicklung befindlichen Technologien dazu ist zu unsicher.

Der SRU berechnet erfreulicherweise sogar erstmals ein deutsches CO2-Restbudget für das 1,5 °C-Ziel mit 2/3-Wahrscheinlichkeit der Zielerreichung (2 Gt ab 2022). Die Einhaltung dieser Budgetstufe, die wir in unseren früheren Berechnungen schon aufgeführt hatten, wurde zuvor als zu unrealistisch eingeschätzt, um die Zahl überhaupt aufzuführen. Die Zahl fehlt allerdings in der Pressemitteilung zur Veröffentlichung. Dementsprechend tauchte in den Schlagzeilen in der Regel die Budgetzahl für eine 50%-Chance auf 1,5 °C (3,1 Gt CO2) als „das“ deutsche 1,5°C-Restbudget auf. Realpolitisch wäre dessen Einhaltung zwar aus heutiger Sicht auch schon ein beeindruckender Erfolg – aber als deutscher Beitrag zu 1,5 °C bliebe es eben sehr wacklig.

[1] Wir beziehen uns dabei auf das Klimaschutzgesetz von 2021. Das gibt zwar langfristig keine Budgetzahlen vor, aber nennt jährliche Reduktions-Zielwerte für Treibhausgasemissionen (Senkung um einen bestimmten Prozentsatz gegenüber 1990). 2045 soll Klimaneutralität erreicht werden. Für die Jahre nach 2040 nennt das Klimaschutzgesetz keine genauen Zielwerte, hier gehen wir von einer gleichmäßigen Reduktion von 2040 (-88% gegenüber 1990) bis 2045 aus. (Klimaneutralität selbst ist ein umstrittenes Konzept, da es die Möglichkeit einbezieht, verbleibende Emissionen durch sogenannte Negativemissionstechnologien zu einer „Netto-Null“ auszugleichen. In welchem Umfang das zuverlässig möglich sein wird, ist unklar.) Etwas kompliziert wird es dadurch, dass die Angaben im Klimaschutzgesetz sich auf den gesamten Treibhausgasausstoß beziehen, die globalen Budgetrechnungen aber üblicherweise nur für CO2 vorgenommen werden. CO2 macht etwa 88% der deutschen Treibhausgasemissionen aus. Das Klimaschutzgesetz sieht spezielle Reduktionspfade nur für Wirtschaftssektoren vor, nicht für einzelne Treibhausgase. Bei einer gleichmäßigen Senkung in allen Sektoren und für alle Treibhausgase würden die Vorgaben laut Klimaschutzgesetz ein Budget von 7,46 Gt CO2 ergeben. Die bis 2030 festgelegten Sektorziele sehen jedoch einen deutlich langsameren Emissionsrückgang in der Landwirtschaft vor, wo ein erheblicher Teil aller Nicht-CO2-Emissionen stattfindet. Der Energiewirtschaftssektor, in dem CO2 stark dominiert, soll die Emissionen dafür überdurchschnittlich stark senken. Daher gehen wir davon aus, dass das CO2-Gesamtbudget etwas geringer ausfällt (ca. 7–7,4 Gt). Berechnet werden jeweils territoriale Emissionen, entscheidend ist also, wo der CO2-Ausstoß stattfindet und nicht, wo die hergestellten und transportierten Güter konsumiert werden. Einige reichere Länder importieren insgesamt mehr Emissionen durch Konsumgüter als sie exportieren und stehen so in Territorialbilanzen besser da. in Deutschland ist die Bilanz aufgrund der exportstarken Wirtschaft allerdings relativ ausgeglichen.
[2] Die neuesten Zahlen lieferte das IPCC im Herbst 2021 in seinem sechsten Weltklimabericht (AR 6). Die Budgettabelle befindet sich auf Seite 63 der Technical Summary (TS-63), S. 106 im PDF-Dokument des Gesamtberichts.
[3] Im Vor-Corona-Jahr 2019 waren es in Deutschland pro Kopf 8,56 Tonnen CO2, weltweit 4,78 Tonnen. Im Jahr 2000 war das Missverhältnis noch stärker: 10,95 t in Deutschland, weltweit 4,13 t. Emissionszahlen nach Global Carbon Atlas, Bevölkerungsdaten nach Weltbank 
[4] Die Methodik erklärt der Sachverständigenrat im „Umweltgutachten 2020“ auf S. 51–53
[5] Bevölkerungszahlen stammen von der Weltbank
[6] Wir hatten irrtümlich angenommen, dass die globalen CO2-Budgets des IPCC die mit hoher Unsicherheit verbundenen Emissionen durch veränderte Landnutzung (LULUCF – land use, land-use change and forestry) ausklammerten, und haben dementsprechend auch die historischen Emissionszahlen für Deutschland und die Welt ohne LULUCF herangezogen. Tatsächlich beinhalten die IPCC-Budgets jedoch die sogar noch etwas weiter gefasste Kategorie AFOLU (agriculture, forestry and land use). Die globalen Budgetzahlen des IPCC sind somit nicht genau vergleichbar mit den nationalen Emissionsberechnungen (und den aufaddierten globalen Zahlen), die üblicherweise LULUCF ausweisen. Dennoch ist die Verzerrung geringer, wenn in der Vergleichsberechnung die LULUCF-Emissionen einbezogen werden. Der Sachverständigenrat für Umweltfragen (SRU) als wichtigste Quelle für Berechnungen des deutschen CO2-Budgets hatte diese Zahlen bislang auf deutscher Ebene auch nicht mitberechnet (auf globaler hingegen schon), tut dies aber seit seiner neuesten Veröffentlichung.
[7] In Deutschland sind die jährlichen LULUCF-Emissionen seit Jahrzehnten meist leicht negativ, was sich günstig auf das Budget auswirkt.

Autor:

Foto von Lasse Thiele
Lasse Thiele

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