Der Beginn einer Bildungsbewegung?

25. Februar 2019

Autorin: Martha Bordel
Vom 21.-24. Februar fand in Kassel die Konferenz Bildung Macht Zukunft – Lernen für die sozial-ökologische Transformation? statt. Über 400 Teilnehmende diskutierten über Ansätze kritischer und emanzipatorischer Bildungsarbeit. Das Zusammenkommen außerschulischer und schulischer Akteur*innen war ein Schritt, Bildung als politisches Handeln für eine sozial-ökologische Transformation zu begreifen. Entsteht hier eine Bildungsbewegung?

Bildung und Bewegung zusammendenken!

Auf der Konferenz wird das Potential sozialer Bewegungen als Lernort deutlich. Fedelma Wiebelitz und Nisha Toussaint Teachout von der Jugend-NGO Demokratische Stimme der Jugend betonen in ihrem Vortrag, dass Schulen und Hochschulen diesen Herausforderungen bisher zu wenig gerecht werden:

„Wir sitzen in einem Bildungszug, der auf einen Bahnhof zufährt, der jetzt schon abgerissen ist!“

 

Dabei sei die heutige Welt die direkte Folge von Bildung in der Vergangenheit. Die Schule bereite die Schüler und Schülerinnen auf eine Zukunft vor, die in der Form nicht mehr existent sei, aufgrund eines notwendigen Gesellschaftswandels, so Wiebelitz. Zur Aufgabe, Bildung zukunftsfähig zu gestalten, betont Referentin Dr. Mandy Singer-Brodowski (Institut für Zukunftsforschung, Freie Universität Berlin): „Es reicht nicht, dass Lernende verstehen, dass Dinge schieflaufen. Sie brauchen zugleich auch Zuversicht und Hoffnung in die Gestaltbarkeit von Gesellschaft sowie Handwerkszeug, um politisch aktiv zu werden.“

Kritische Bildung in die Schulen!

Doch darf Bildung an Schulen politisch sein? Bettina Lösch vom „Forum Kritische Politische Bildung“ erläutert im Auftaktpodium: „Wir müssen uns mit Bildung im Kontext von Endlichkeit auseinandersetzen. Der Klimawandel und die multiplen globalen Krisen erfordern eine weitreichende sozial-ökologische Transformation, in der Machtverhältnisse grundlegend verändert werden.“

Querdenken und raus aus den Schulen!

Dabei geht es weniger darum, Wissen zu vermitteln, sondern zu irritieren, zu hinterfragen und die Schüler und Schülerinnen dabei zu begleiten, weiter zu gehen. Den Schritt aus der Schule raus, gehen die Schüler*innen von der Bewegung Fridays for future. Sie besuchen seit mehreren Wochen freitags nicht die Schule, um für Klimagerechtigkeit zu streiken. Vier Vertreter*innen der Bewegung aus Kassel sprachen am Freitag auf der Konferenz. Sie machten sehr deutlich, dass es ihnen mit ihrem Anliegen ernst ist: „Natürlich riskieren wir durch das Fehlen im Unterricht auch persönliche Nachteile. Aber es geht um unsere Zukunft und uns bleibt wenig Zeit. Gleichzeitig lernen wir bei unseren Aktionen auch eine Menge.“

Auf der Konferenz wurde das Potential von kollegialem Austausch deutlich, wie wichtig Bildung als politisches Handeln ist und wie viel es auch schon getan wird. Somit war die Konferenz ein Schritt in die Richtung einer Bildungsbewegung.